Calgary: Mehr als eine Durchfahrtsstadt
Mit rund 1,2 Millionen Einwohnern ist Calgary die größte Stadt Albertas und die viertgrößte Kanadas. 1988 richtete sie als erste kanadische Stadt Olympische Winterspiele aus, was der Infrastruktur für Sport- und Outdooraktivitäten bis heute zugutekommt. Das Stadtbild ist geprägt von einer auffälligen Skyline, einem durchgängigen Radwegenetz entlang des Bow River und einem belebten Innenstadtbezirk rund um die 17th Avenue.
Bekannt ist Calgary vor allem für die Calgary Stampede, das jährlich im Juli stattfindende Rodeo-Festival, das laut Veranstalter regelmäßig über 1,5 Millionen Besucherinnen und Besucher anzieht und damit als eine der größten Freiluftveranstaltungen weltweit gilt. Die Western-Kultur ist in Calgary kein folkloristisches Überbleibsel, sondern gelebter Alltag, der sich in Architektur, Gastronomie und Veranstaltungskalender niederschlägt.
Auch nachts kann sich Calgary sehen lassen
Die Gastronomieszene Calgarys hat sich in den vergangenen Jahren erheblich entwickelt. Das Beltline-Viertel südlich der Innenstadt gilt als kulinarisches Zentrum mit Restaurants, die von japanischer Izakaya-Küche bis zu kanadischen Steakhouses reichen. Der Fish Creek Provincial Park im Süden der Stadt bietet über 80 Kilometer Wanderwege direkt im Stadtgebiet, was für nordamerikanische Verhältnisse ungewöhnlich ist. Wer einen vollen Ankunftstag in Calgary einplant, kann die Stadt zu Fuß oder per Fahrrad erkunden, ohne viel Zeit zu verlieren.
Wer die Stadt als Basis für eine längere Nordamerikatour nutzt, hat den Vorteil, früh einen Mietwagen zu guten Konditionen zu sichern. Die Auswahl an Fahrzeugklassen ist in Calgary meist größer als in kleineren Ausgangspunkten in Montana oder Wyoming. Paare, Familien und kleine Reisegruppen, die gemeinsam unterwegs sind, finden über Anbieter für Mietwagen und Gruppenreisen in Calgary passende Fahrzeuge für unterschiedliche Streckenlängen und Personenzahlen.
Die Route Richtung Süden: Von den Rockies durch Montana zum Yellowstone
Calgary liegt rund 128 Kilometer östlich des Banff-Nationalparks, der ersten großen Anlaufstelle auf dem Weg in die Rockies. Der Banff National Park wurde 1885 als erster Nationalpark Kanadas gegründet und zählt seit 1984 zum UNESCO-Welterbe. Auf einer Fläche von über 6.600 Quadratkilometern erstreckt sich ein Hochgebirgslandschaft mit Gletschern, Türkisseen und einer dichten Tierpopulation aus Bären, Elchen und Wapitis. Der Icefields Parkway, eine Panoramastraße, die Banff mit dem Jasper-Nationalpark verbindet, gilt unter Straßenreisenden als eine der eindrucksvollsten Routen Nordamerikas überhaupt.
Wer von Calgary aus Richtung Süden fährt und die Grenze in die USA im Blick hat, nimmt idealerweise den Weg über den Waterton Lakes National Park. Der Park liegt rund 270 Kilometer südlich von Calgary und grenzt direkt an den US-Bundesstaat Montana. Zusammen mit dem amerikanischen Glacier National Park bildet er den Waterton Glacier International Peace Park, den ersten internationalen Friedenspark der Welt, der seit 1995 zum UNESCO-Welterbe zählt.
Auf der Seite des Upper Waterton Lake, dem tiefsten See der kanadischen Rockies mit 157 Metern, überqueren Boote eine in der Landschaft sichtbar markierte Staatsgrenze. Über 250 Vogelarten, Grizzlybären, Pumas und Wölfe leben im Parkgebiet.
Nach dem Grenzübertritt nach Montana eröffnet sich der Glacier National Park, bekannt für seine Going-to-the-Sun Road, eine hochalpine Passstraße, die nur im Sommer befahrbar ist und in Serpentinen durch Schneefelder und an Wasserfällen vorbeiführt. Der Park umfasst über 700 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege und beherbergt eine der letzten stabilen Grizzlybärpopulationen der kontinentalen USA.
Von hier aus beträgt die Fahrtstrecke bis zum Yellowstone National Park je nach Routenwahl zwischen 600 und 700 Kilometer, was einen Zwischenstopp in Städten wie Whitefish oder Helena nahelegt. Helena, die Hauptstadt Montanas, lohnt einen kurzen Halt, besonders wegen der historischen Innenstadt mit ihren Gebäuden aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Gesamtdistanz von Calgary bis zum Yellowstone liegt bei rund 1.020 Kilometern.
Moraine Lake / Glacier National Park
Yellowstone als Abschluss einer Nordamerika-Schleife
Der Yellowstone National Park im US-Bundesstaat Wyoming ist der älteste Nationalpark der Welt, gegründet 1872. Er beherbergt rund die Hälfte aller weltweit bekannten Geysire, darunter den Old Faithful, der sich in Intervallen von etwa 60 bis 110 Minuten entlädt. Das Parkgebiet umfasst eine aktive Supervulkan-Caldera, deren geologische Aktivität Thermalquellen, Schlammtöpfe und farbige Mineralterrassen wie die Grand Prismatic Spring hervorbringt. Letztere ist mit einem Durchmesser von rund 90 Metern die drittgrößte heiße Quelle der Welt.
Für Reisende, die Calgary als Start- und Endpunkt wählen, ergibt sich eine Rundtour, die thematisch konsistent bleibt: Stadtleben und Western-Atmosphäre in Calgary, Hochgebirge im Banff- und Waterton-Nationalpark, Wildnis im Glacier-Nationalpark, geothermische Spektakel im Yellowstone. Die Route führt dabei durch drei geografisch und kulturell unterschiedliche Zonen Nordamerikas, von der kanadischen Prärie über die US-amerikanischen Northern Rockies bis in die Hochplateau-Landschaft Wyomings.
Wer Calgary mit dem Flieger anfliegt statt mit dem Auto zu erreichen, sollte wissen, dass der Calgary International Airport direkte Verbindungen aus europäischen Großstädten und zahlreichen US-amerikanischen Drehkreuzen anbietet. Transatlantikflüge starten unter anderem ab Frankfurt, London und Amsterdam. Das macht Calgary auch logistisch zu einem ernstzunehmenden Einstiegspunkt für eine kombinierte Kanada-USA-Reise.
Praktische Hinweise zur Planung
Für Einreisen aus der EU nach Kanada ist seit 2016 eine elektronische Reisegenehmigung (eTA) erforderlich, die vor dem Flug beantragt werden muss. Der Grenzübertritt in die USA erfolgt für EU-Bürger über das ESTA-System (Electronic System for Travel Authorization). Wer beide Länder auf einer Reise kombiniert, benötigt beide Genehmigungen, die jeweils online und in der Regel innerhalb weniger Stunden ausgestellt werden.
Die ideale Reisezeit für die Route liegt zwischen Mitte Juni und Ende September. Vor allem der Glacier National Park und der Banff-Nationalpark sind außerhalb dieser Monate teilweise durch Schnee eingeschränkt, bestimmte Passstraßen werden erst im Frühsommer freigegeben. Campingplätze in den Nationalparks sind in der Hochsaison (Juli bis August) oft Monate im Voraus ausgebucht. Wer flexibel bleiben möchte, plant die Übernachtungen in Parks frühzeitig und bucht die urbanen Stopps in Calgary oder Bozeman kurzfristiger.
Ein realistischer Zeitrahmen für die gesamte Rundtour, von Calgary über Banff, Waterton, Glacier, Yellowstone und zurück, liegt bei mindestens 14 Tagen. Wer die Nationalparks mit ausreichend Wanderzeit erleben möchte, sollte 18 bis 21 Tage einplanen. Mit einem gut gewählten Mietfahrzeug, ausreichend Puffer für wetterbedingte Verzögerungen und der Bereitschaft, auch abseits der bekanntesten Highlights zu stoppen, zählt diese Route zu den eindrucksvollsten Straßenreisen, die Nordamerika zu bieten hat.



